Zahnkliniken und Zahnarztzentren

Fehlbildungen

Unterthemen

Ätiologie:

Laterognathien des Unterkiefers können durch Faktoren innerhalb der Zahnreihe – wie Seitenverschiebung infolge vorzeitigen Zahnverlustes oder seitlicher Zwangsbiss – sowie durch Faktoren außerhalb der Zahnreihe – wie einseitige Über- und Unterentwicklung – zustande kommen. 

Einseitige mandibuläre Prognathie (progene Laterognathie):

Einseitige Überentwicklung des Unterkiefers. 

Symptomatik:

Gleichmäßige Vergrößerung der befallenen Unterkieferseite. Kinn nach vorn verlagert und nach der gesunden Seite verschoben. Kieferwinkel der erkrankten Seite steht tiefer. Der Oberkiefer passt sich der Unterkieferposition teilweise an. Zahnreihen verschoben, offener Biss auf der betroffenen Seite und Kreuzbiss auf der Gegenseite.

Therapie:

  • Einseitige, gegebenenfalls auch doppelseitige sagittale Spaltung des aufsteigenden Astes (Obwegeser, Dal Pont).
  • Alternativ: Ostektomie im horizontalen Ast.
  • Gegebenenfalls zusätzlich Le-Fort-I-Osteotomie.

Kiefergelenkhyperplasie

Entsteht im Laufe einiger Monate oder Jahre zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr. Genese unbekannt. Möglicherweise handelt es sich um eine epiphysäre Überschussbildung kurz vor dem Abschluss des Schädelwachstums.

Symptomatik:

Entspricht der Symptomatik bei einseitiger mandibulärer Prognathie.

Im Röntgenbild ist die Vergrößerung des Gelenkfortsatzes und des Kondylus erkennbar.

Therapie:

  • Resektion des Gelenkkopfes. Der Unterkiefer lässt sich danach in der Regel in die richtige Okklusion einstellen.
  • Nur ausnahmsweise ist zusätzlich eine Le-Fort-I-Osteotomie erforderlich.
  • Bei Abweichungen der Okklusion ist eine kieferorthopädische Nachbehandlung angezeigt.
Rechtsseitige Gelenkkopfhyperplasie mit Prognathie des rechten Unterkiefers
Rechtsseitige Gelenkkopfhyperplasie mit Prognathie des rechten Unterkiefers
Okklusion mit Verschiebung der Mittellinie des Unterkiefers nach links (mandibuläre Laterognathie)
Okklusion mit Verschiebung der Mittellinie des Unterkiefers nach links (mandibuläre Laterognathie)
Röntgenbilder des rechten aufsteigenden Astes vor und nach der Gelenkkopfresektion
Röntgenbilder des rechten aufsteigenden Astes vor und nach der Gelenkkopfresektion
Röntgenbilder des rechten aufsteigenden Astes vor und nach der Gelenkkopfresektion
Röntgenbilder des rechten aufsteigenden Astes vor und nach der Gelenkkopfresektion
Korrigierte Okklusion nach Gelenkkopfresektion
Korrigierte Okklusion nach Gelenkkopfresektion

Einseitige mandibuläre Retrognathie (retrogene Laterognathie)

Einseitige Unterentwicklung des Unterkiefers infolge einer erblich bedingten Wachstumshemmung oder nach Ankylose, Osteomyelitis oder Gelenkfortsatzfrakturen im Kindesalter.

Symptomatik:

Rücklage des Kinns mit Verschiebung zur kranken Seite mit Abflachung der gesunden Seite. Kieferwinkel abgeflacht. Nicht selten Okklusionsstörung. Bei Ankylose ist der aufsteigende Ast verkürzt. Nach Osteomyelitis können Teile des Unterkiefers extrem verkürzt sein. Bei stärkerer Kinnrücklage Vogelgesicht.

Therapie:

  • Bei Ankylose ist eine operative Lösung der Gelenkverwachsungen erforderlich. Danach kann im Wachstumsalter eine Normalisierung durch kieferorthopädische Maßnahmen erfolgreich sein.
  • Im übrigen können die bei den doppelseitigen Mikrognathien beschriebenen Operationen auch bei einseitiger Retrognathie erforderlich werden.
  • Bei Wachstumsstörungen nach Osteomyelitis ist in der Regel eine Verlängerung des aufsteigenden Astes oder des Kieferkörpers mit Knocheneinpflanzung angezeigt, die allerdings erst nach Abschluss des Wachstums erfolgen sollte.
  • In der Zwischenzeit sind kieferorthopädische Maßnahmen erforderlich.
  • Gegebenenfalls ist eine temporäre provisorische Verlängerung des aufsteigenden Astes durch ein homologes Knorpeltransplantat oder durch ein autogenes Rippentransplantat mit knorpligem Ende angezeigt, das später durch einen Beckenkammspan ersetzt, bzw. ergänzt werden kann.
  • Bei hochgradiger Okklusionsstörung muss durch Modelloperation festgelegt werden, an welchen Stellen Osteotomien – gegebenenfalls mit Knocheneinpflanzung – angelegt werden sollen.
  • Gegebenenfalls kann auch eine Kallusdistraktion vorgenommen werden.
  • Modellierende Operationen – wie Korrekturen des Kinns, der Kieferwinkel und der horizontalen Äste durch Abtragen oder Verlagerung überschüssiger Knochensubstanz und Anlagerung von Knochenersatzmaterial – können ebenfalls erforderlich werden.