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Entzündungen

Unterthemen

Gingivitis

Auf die Gingiva beschränkte Entzündung, ausgehend von einer marginalen Parodontitis oder einer perikoronaren Infektion eines unvollständig durchgebrochenen Zahnes.

Entstehung bei mangelhafter Mundpflege mit Ablagerung von Plaque und Zahnstein in Schlupfwinkeln des marginalen Parodontiums, wie Interdentalräumen, Zahnfleisch- und Knochentaschen, kariösen Defekten und perikoronaren Räumen sowie überhängenden Füllungen und Kronen (Schmutzgingivitis).

Symptomatik:

Gingiva am Zahnfleischsaum gerötet oder blaulivide verfärbt, geschwollen, bei Berührung schmerzhaft und leicht blutend. Erosionen und Ulzerationen kommen vor (Gingivitis ulcerosa). In der Regel desolates Gebiss mit Plaque und Zahnstein. Foetor ex ore. Die regionären Lymphknoten können vergrößert sein.

Differenzialdiagnose:

Leukämie, Agranulozytose, AIDS

Therapie:

  • Vor Beginn der Behandlung sollte vom Zahnfleischrand, dort, wo die entzündlichen Veränderungen am stärksten sind, ein Abstrich zur Erstellung eines Antibiogramms entnommen werden, damit gegebenenfalls eine gezielte Antibiotikatherapie durchgeführt werden kann.
  • Aussprayen der Zahnfleischtaschen und vorsichtiges Entfernen der Plaque. Konkremententfernung gegebenenfalls in mehreren Sitzungen.
  • Einpinseln der Gingiva mit einprozentiger Gentianaviolettlösung oder Betaisodonalösung.
  • Regelmäßige Mundspülungen mit desinfizierenden Mundwässern (Hexoral, Doreperol, Chlorhexidindigluconat).
  • Gegebenenfalls unterstützende gezielte Antibiotikatherapie nach Antibiogramm.
  • Nach Abheilung der entzündlichen Erscheinungen Gebisssanierung.
Akute Gingivitis (Sammlung Prof. Straßburg, Düsseldorf)
Akute Gingivitis (Sammlung Prof. Straßburg, Düsseldorf)
Akute Exazerbation einer chronischen Schmutzgingivitis (Sammlung Prof. Straßburg, Düsseldorf)
Akute Exazerbation einer chronischen Schmutzgingivitis (Sammlung Prof. Straßburg, Düsseldorf)

Gingivo-Stomatitis

Entzündung der beweglichen Schleimhaut, ausgehend von einer Gingivitis, von den Tonsillen oder von Mundschleimhautverletzungen.

Entsteht bei geschwächter lokaler und allgemeiner Abwehr aus einer Schmutzgingivitis oder aus einer perikoronaren Entzündung, insbesondere des unteren Weisheitszahnes.

Symptomatik:

Akuter bis subakuter Verlauf, in der Regel mit Fieber. Rötung, Schwellung und Ulzerationen. Die schmerzhaften Veränderungen dehnen sich über die Gingiva hinaus in die Wangen-, Gaumen-, Mundboden-, Zungen- und Lippenschleimhaut aus, dabei können sich Abklatschgeschwüre mit schmutzig-grauen Belägen ausbilden. Ferner findet man Foetor ex ore sowie eine Lymphadenitis. Eine Ausbreitung auf die seitliche Pharynxwand ist möglich, wobei Schluckbeschwerden hinzukommen.

Differenzialdiagnose:

Leukämie, Agranulozytose, allergische Schleimhautaffektionen, AIDS, Karzinom, tuberkulöses Ulkus.

Therapie:

  • Bei Tumorverdacht Probeexzision.
  • Abstrich für Antibiogramm.
  • Bei Fieber sofortiger Beginn mit hochdosierter ungezielter Antibiotikatherapie mit Amoxycillin + Clavulansäure (Augmentan), die nach Vorliegen des Antibiogramms als gezielte Antibiotikatherapie weitergeführt wird.
  • Vorsichtige Ablösung der Beläge mit 3%igem Wasserstoffsuperoxid und Entfernung des lose anhaftenden Detritus.
  • Flüssige oder weiche Kost.
  • Nach jeder Mahlzeit Mundspülung mit desinfizierender Lösung.
  • Tägliches Pinseln mit Gentianaviolett- oder Betaisodonalösung.
  • Konkremententfernung und Aussprayen der Taschen mit scharfem Strahl erst nach Abklingen der akuten Reaktion.
  • Nach Abheilung der entzündlichen Erscheinungen Gebisssanierung.
Ulzeröse Gingivo-Stomatitis. Differenzialdiagnose: Karzinom
Ulzeröse Gingivo-Stomatitis. Differenzialdiagnose: Karzinom

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